Der Weg zum Autonomen Fahren

Die Entwicklung des automatisierten Fahrens begann bereits Anfang des Jahrtausends und wird wohl noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ihr Ziel erreichen. Zum Ablauf gibt es unterschiedliche Pläne, doch ob die Definition nun von der US-Behörde NHTSA, dem internationalen Ingenieurs-Verband SAE oder dem deutschen Auto-
herstellerverband VDA kommt - die Unterschiede sind vergleichsweise gering. In der Regel gibt es fünf Stufen und eine Stufe 0 als Ausgangspunkt.

Rund 25 Jahre sind die ersten Technologien nun schon auf der Straße. Der halbe Weg ist demnach geschafft. Die gleiche Zeit könnte es noch einmal dauern, bis unseres Autos wirklich ganz ohne Fahrer auskommen. Die technisch fortschrittlichsten Neuwagen liegen aktuell irgendwo zwischen Stufe zwei und drei des Überblicks, der sich an der Klassifizierung des VDA orientiert.

Stufe 1: Assistiertes Fahren/Parken
Das System kann Gas/Bremse oder Lenkung steuern, der Fahrer führt die jeweils andere Aktivität aus. Der adaptive Tempomat registriert den Abstand zum Vordermann und passt die Geschwindigkeit des Fahrzeugs ohne menschliches Zutun an. Vor rund einem Jahrzehnt kamen Techniken wie der selbstlenkende Einparkhelfer oder der Spurhalte-Assistent mit Gegenlenk-Impuls hinzu, die zusätzlich zu Gas und Bremse in bestimmten Situationen die Lenkung kurzzeitig unter Computer-Kommando stellten.

Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren/Parken
Das System übernimmt sowohl Lenkung als auch Gas und Bremse, allerdings nur in bestimmten Anwendungsfällen, etwa auf bestimmten Straßentypen oder in definierten Geschwindigkeitsbereichen. Zudem muss der Fahrer das Auto fortlaufend überwachen und jederzeit in der Lage sein, das Steuer zu übernehmen.
Als Technik-Beispiel ist der sogenannte Stau-Assistent zu nennen, der mit Hilfe von Abstands-Radar und Kamera im stockenden Verkehr Bremsen und Beschleunigen sowie das Lenken übernimmt. Derartige Helfer sind mittlerweile bei vielen neuen Pkw-Modellen zu habe. In der Regel ist der Einsatz aber auf bestimmte Geschwindigkeitsbereiche begrenzt.

Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren
Das System erkennt seine Leistungsgrenzen selbst und fordert den Fahrer gegebenenfalls aktiv auf, das Steuer zu übernehmen und die Fahraufgaben innerhalb einer gewissen Zeit wieder zu übernehmen.
Stufe 3 ist z.B. beim Tesla S quasi-erreicht. Die sogenannte "Autopilot"-Funktion erlaubt dem Fahrer, das Lenken und die Geschwindigkeitsregelung dem System zu überlassen. Die tragischen Unfälle der Letzten Zeit zeigen jedoch die aktuellen Grenzen der Technik.  In Pkw- und Lkw-Prototypen sind Funktionen wie das automatisierte Autobahn-Fahren realisiert. Dann übernimmt die Technik auf der Autobahn zwischen Auf- und Abfahrt dauerhaft das Steuer. Schon Anfang des kommenden Jahrzehnts dürften derartige Assistenten in Neuwagen Einzug halten.

Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren/Parken
Das System übernimmt definierten Anwendungsfällen dauerhaft und zuverlässig das Steuer. In spezifischen Situationen, etwa auf der Autobahn, beim Einsatz als Robotertaxi in einem klar definierten Gebiet oder beim Fahren in Parkhäusern ist dann kein Fahrer mehr nötig. In diesen Situationen kommt das Auto auch in Problemfällen ohne menschlichen Eingriff klar.
Für Stufe 4 muss vor allem die Erfassung des Umfeldes sicher funktionieren, da auf die Sinnesorgane des menschlichen Fahrers nicht mehr zurückgegriffen werden kann. Befindet sich das Fahrzeug in klar definierbaren und überschaubaren Situationen, wie z.B. in einem Parkhaus, auf der Autobahn oder als automatisierter Linienbus auf einer klar definierten Route, vereinfacht dies die Lage. Die ersten Stufe-4-Anwendungen könnten daher noch in diesem Jahrzehnt umgesetzt werden. Das automatisierte Fahren in der Stadt wird aber noch einige Jahre länger dauern.

Stufe 5: Fahrerloses Fahren
Das System kann das Steuer immer und unter allen Umständen, auf allen Straßenarten und bei jeder Geschwindigkeit sicher übernehmen. Lenkrad und Pedalerie sind endgültig obsolet. Wann es soweit ist, ist noch unklar.