Notrufdienst eCall wird Pflicht für alle Neufahrzeuge

Ab April 2018 wird das automatische Notrufsystem eCall in allen neuen Pkw- und leichten Nutzfahrzeug-Modellen in der EU zur Pflicht. eCall soll die rasche Auffindung, Bergung und Versorgung von Verletzten nach einem Verkehrsunfall ermöglichen. Dank des Systems könnte nach Schätzungen der EU-Kommission die Zahl der Unfalltoten um zehn Prozent verringert werden.

Wie funktioniert eCall?

Nach einem schweren Verkehrsunfall, einem heftigen Aufprall und mit Auslösen der Airbags, alarmiert das System die Notrufzentrale und übermittelt automatisch unter anderem Standortdaten, Unfallzeitpunkt, die Zahl der Insassen und die Art des Treibstoffs zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle. Um  zu verhindern, dass eCall schon bei einem leichten Auffahrunfall z. B. bei einem Parkrempler Alarm auslöst, ist das System an verschiedene Sensoren und Sicherheitstechniken des Fahrzeugs gekoppelt.

Welche Technik steckt in eCall?

-GPS-Empfänger, um die  Fahrzeugposition zum Unfallzeitpunkt festzustellen
-GSM-Antenne, die den Notrufes an die Notrufzentrale sendet
-Steuergerät, das über eine Mobilfunk-Einheit den Standort an die Notrufzentrale meldet
-Crash-Sensor, um die Unfallart zu erkennen und den Notruf auszulösen
-Mikrofon und Lautsprecher, über die sich Notrufzentrale und Fahrzeuginsassen verständigen können, z. B. über die Zahl der Verletzten und die Schwere der Verletzungen
-Notstromversorgung, um die Funktion auch bei zerstörter Fahrzeugbatterie zu sichern
-eine Taste zur manuellen Auslösung des Notrufes, z. B. bei plötzlichen Erkrankungen oder durch Zeugen/Ersthelfer
-Kontrollleuchte zur Anzeige der Funktionsfähigkeit/bei Fehlern des Systems

Außerdem kann über die VIN-Nummer des Unfallfahrzeugs die modellspezifische Rettungskarte problemlos an die Retter übermittelt werden. Spätestens bis zum 1. Oktober 2017 sollen alle Rettungsleitstellen in Europa für eCall ausgerüstet sein.
Alle Komponenten sind für extreme Beanspruchungen ausgelegt. Die eCall-Box muss Kräfte von bis zu 200 G aushalten und enthält eine Notfallbatterie, die auch nach zehn Jahren die Datenübertragung und ein achtminütiges Notrufgespräch sicherstellen soll. Einige Autohersteller sehen sogar eine Backup-Antenne vor, falls die Dachantenne beim Unfall abreißt.
    
Wie steht es um den Datenschutz?

Das System mit Mobilfunkeinheit, GPS-Empfänger und Antennenanschluss hört sich zwar nach perfekter Überwachungstechnik an, ist dies aber dank „Dormant Sim“ nicht! Die „schlafende“ Sim-Karte ist weder an einen Netzbetreiber gebunden noch lässt sie sich von außen über die Netze ansprechen. Es ist daher nicht möglich, das Fahrzeug über die eCall-Sim zu orten oder gar Bewegungsprofile zu erstellen. Erkennen die Sensoren einen Notfall oder der Notruf wird manuell ausgelöst, erwacht die Sim-Karte und bucht sich europaweit in das stärkste Mobilfunknetz der Umgebung ein, um einen Sprachanruf zur Notrufnummer 112 aufzubauen. Das System erhält aufgrund seiner besonderen Kennung (eCall flag) beim Netzbetreiber eine Sonderbehandlung mit höchster Priorität und sendet zunächst einen Mindestdatensatz (Minimum Set of Data) mit folgenden Informationen: Unfallzeitpunkt, die Fahrtrichtung, die GPS-Koordinaten der Unfallstelle und die Fahrzeugidentifikation, eventuell zusätzlich die Zahl der Insassen.

eCall als Nachrüstsatz?

Bislang waren eCall-Systeme bei Pkw nur ab Werk eingebaut zu haben. Der Automobilzulieferer Bosch hat jedoch einen sogenannten Retrofit-eCall-Stecker entwickelt, der in den Zigarettenanzünder eingesteckt wird. Die eingebauten Beschleunigungssensoren erkennen einen schweren Unfall und der Retrofit eCall löst in Verbindung mit der App auf dem über Bluetooth verbundenen Smartphone automatisch eine Benachrichtigung der Notrufzentrale aus. Auch manuell ausgelöste Notrufe (Rettung anfordern) sind möglich. Je nach Schwere des Unfalls kontaktiert die Leitstelle den Fahrer direkt oder alarmiert den nächstgelegenen Rettungsdienst. Bei bereits ausgelieferten Fahrzeugen ist jedoch keine Nachrüstung nötig.