Prima Klima mit neuen Kältemitteln

Cool ist in: 94 Prozent aller Neuwagen verfügen heute über eine Klimaanlage. Laut EU-Richtlinie 2006/40/EG ist seit dem 1.1.2017 der Einsatz von R134a bei allen Neufahrzeugen verboten. Nach einer jahrelangen Sicherheitsdebatte setzt die Automobilindustrie nun doch mehrheitlich auf R1234yf. Bis Ende 2017 sollen bereits 80 Millionen Pkw mit dem neuen Kältemittel auf dem Markt sein.

Das hat unmittelbare Folgen für den Service, denn Kfz-Werkstätten benötigen für den Klimaservice an R1234yf-Anlagen ein spezielles Klimaservicegerät. Der Klimaservice an einer mit R1234yf befüllten Anlage beinhaltet immer eine Gasprobe vor Beginn des Absaugvorgangs, um sicherzustellen, dass R1234yf im Servicefall nicht mit anderen Substanzen kontaminiert wird. Langfristig wird auf die Kfz-Werkstätten neben dem R1234yf-Servicegerät wohl auch der CO2-Klimaservice zukommen. Parallel dazu muss die Sachkenntnis der Mitarbeiter für den Umgang mit neuen Kältemitteln ständig auf dem aktuellsten Stand gehalten werden.

R1234yf – die umstrittene Alternative

Bezüglich seiner kältetechnischen Eigenschaften unterscheidet sich R1234yf nicht wesentlich von R134a. R1234yf wurde als mild entzündlich klassifiziert, d. h. unter Laborbedingungen in einer spezifischen Mischung mit Luft liegt die Selbstentzündungs-temperatur bei 405 Grad Celsius. Grundsätzlich sind eine sehr hohe Entzündungsenergie und -temperatur nötig. Bei Überhitzung oder großer Nähe zu heißen Motorkomponenten kann es jedoch zu einem Brand kommen, bei dem giftige und stark ätzende Flusssäure freigesetzt wird. Bislang sind aber bei weltweit mehr als 10 Millionen Pkw mit R1234yf-Klimaanlagen noch keine auf R1234yf zurückführbaren Brandfälle bekannt. Dennoch geht Mercedes mit einer eingebauten Löschanlage, die das Edelgas Argon enthält, auf Nummer sicher.

CO2 – die klimafreundlichste Lösung

Da R1234yf umstritten bleibt und die Hersteller einen hohen Preis für das patentierte R1234yf diktieren, haben die deutschen Autohersteller die Entwicklung der CO2-Alternative trotz hoher Investitionskosten wieder aufgenommen, denn eine CO2-Klimaanlage kühlt den Innenraum in kurzer Zeit ab und arbeitet energieeffizient. In normalen europäischen Sommern liegt ihr Energieverbrauch sogar unter dem einer R134a-Serienklimaanlage.  

Der Anteil von Kohlendioxid (CO2) in unserer Luft beträgt gerade einmal 0,04 Prozent. Dennoch spielt das Gas eine wichtige Rolle in unserem Leben. Einerseits ist CO2 schädlich für die Umwelt (Stichwort Treibhauseffekt), andererseits ist es als technisches Gas häufig alternativlos und als Treibmittel in Spraydosen oder als Kältemittel in Klima-/Kälte-anlagen die bessere Alternative. Es ist nicht brennbar, bildet keine Zerfallsprodukte und ist weltweit kostengünstig verfügbar. In der Kältetechnik wird das natürliche Kältemittel Kohlendioxid (CO2) mit der Abkürzung R744 immer häufiger anstelle  umweltschädigen-der Fluorchlorkohlenwasserstoffe eingesetzt. Selbst Coca-Cola rüstet seine Kühlgeräte auf die umweltfreundlichere Alternative CO2 um. Für den Menschen ist CO2 in geringer Konzentration nicht giftig, behindert aber die Sauerstoffaufnahme. Eine erhöhte Kohlendioxidkonzentration in der Umgebungsluft kann Kopfschmerzen und letztlich Bewusstlosigkeit auslösen. Eine Konzentration von acht oder mehr Prozent kann nach 30 bis 60 Minuten sogar zum Tode führen.

Seit Oktober 2016 sind nun erste Pkw mit CO2-Klimaanlagen im Luxussegment verfügbar, für den Massenmarkt sind sie angekündigt. Des Weiteren wurden inzwischen auch Prototypen hochdichter, elektrisch angetriebener CO2-Kompressoren entwickelt, die den Einsatz von CO2-Klimaanlagen auch in elektrischen Pkw-Varianten ermöglichen. Eine flächendeckende Einführung ist daher mittel- bis langfristig denkbar.